Katechese zur Heiligen Eucharistie: Der Heilige Chrysostomos

 

Das Geheimnis der heiligen Eucharistie

Hl. Johannes Chrysostomos (Kirchenvater und Kirchenlehrer, 4. Jh n. Chr.)

82. Homilie zum Evangelium nach Matthäus, 4-6

 

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 „Laßt uns also stets Gott vertrauen und Ihm in nichts widersprechen, auch wenn seine Worte unserer menschlichen Vernunft und dem Augenschein zu widersprechen scheinen. Sein Wort muss uns auf alle Fälle mehr gelten als unsere Überlegungen und unsere Sinne.

Lasst uns daher in den heiligen Geheimnissen genauso verfahren: Wir dürfen nicht bloß auf das schauen, was vor uns liegt, sondern müssen uns an seine Worte halten. Denn sein Wort kann niemals täuschen, unsere Sinne aber können leicht getäuscht werden. Sein Wort hat immer Bestand aber die Wahrnehmungen unserer Sinne gehen oft in die Irre.

Und weil Christus in seinem Wort sagt, “Das ist mein Leib“, lasst uns überzeugt sein und voll Glauben und Ihn mit den Augen unseres Glaubens erkennen. Denn Christus hat uns nichts mit den Händen fühlbares geschenkt, sondern etwas geistiges, das wir im Glauben erkennen, wenngleich in fühlbarer, körperlicher Gestalt.

 

 

So ist es ja auch mit dem Geschenk der Taufe: in der körperlichen Handlung empfangen wir äußerlich das Wasser, die Wirkung, die Wiedergeburt und Erneuerung ist jedoch geistig. Wenn du ein körperloses Wesen wärest, hätte er dir die unkörperlichen Gaben unmittelbar gegeben. Weil aber die Seele an einen Leib geknüpft ist, reicht er dir das Geistige in körperlicher Gestalt. Wie viele gibt es, die sich wünschen: „Könnte ich doch den Herrn in seiner Gestalt sehen, sein Gesicht, seine Kleider, seine Schuhe! Wohlan, du siehst ihn, berührst ihn, genießest ihn. Du willst bloß das Gewand sehen, er aber gibt dir sich selbst, nicht allein zu sehen, sondern sogar zu berühren, zu essen und läßt sich in dein Inneres aufnehmen.

 

 

Es trete somit niemand voll Überdruß, voll Gleichgültigkeit hinzu, alle vielmehr voll Feuer, voll Glut und Begeisterung. Wenn schon die Juden stehend, die Schuhe an den Füßen und Stäbe in den Händen, eilig das Osterlamm aßen, um wieviel mehr sollst du wachsam sein! Weil jene im Begriffe standen, nach Palästina fortzuziehen, hatten sie auch schon das Äußere von Reisekleidung; du aber hast als Reiseziel den Himmel.

 Aufruf zur Wachsamkeit

Danach muß man allzeit wachsam sein, denn es ist keine geringe Strafe, welche die unwürdigen Teilnehmer trifft. Beherzige, wie heftig du gegen den Verräter, gegen die Kreuziger aufgebracht bist. Sieh also zu, dass nicht auch du des Leibes und Blutes Christi schuldig werdest. Sie hatten den allerheiligsten Leib gemordet, du empfängst ihn in einer schmutzigen Seele, trotzdem er dir so große Wohltaten erwiesen.

 

 

Er begnügte sich nicht damit, Mensch zu werden, sich geißeln und hinschlachten zu lassen, er geht sogar in uns ein, er macht uns nicht etwa nur im Glauben, sondern in der Wirklichkeit zu seinem Leibe. Was soll daher noch reiner sein als ein Mensch, der ein so heiliges Opfer genießt? Um wieviel reiner als der Sonnenstrahl muß die Hand sein, die dieses Fleisch teilt, der Mund, der vom geistlichen Feuer erfüllt ist, die Zunge, die vom schauererregenden Blute gerötet wird?

 

 

Beherzige, welche Ehre dir erwiesen worden, an welchem Tische du zu Gaste bist! Was die Engel mit Zittern sehen und ohne Leben nicht anzublicken wagen, weil Blitze davon ausgehen, damit werden wir gespeist, damit vereinigt, so dass wir mit Christus ein Leib und ein Fleisch werden. "Wer wird die Großtaten des Herrn preisen? Wer wird sein Lob verkünden?" Wo ist ein Hirt, der seine Schafe mit seinem eigenen Leibe speist? Was rede ich von einem Hirten? Es gibt oft Mütter, die nach den Wehen der Geburt ihre Kinder fremden Kindermädchen übergeben. Der Herr brachte so etwas nicht übers Herz; er nährt uns mit seinem eigenen Blute und kettet uns auf alle Art an sich. Siehe, er wurde aus unserer Natur geboren.

 Die lebendige Liebe zur Heiligen Eucharistie

Aber, sagst du, das geht nicht alle Menschen an. Und doch geht es alle an. Denn als er unsere Natur angenommen hat, hat er offenbar uns für uns alle getan, und wenn für uns alle, so auch jeden einzelnen von uns. Aber wie kommt es, fragst du, dass nicht alle daraus Nutzen gezogen haben? Die Schuld liegt nicht an ihm, der für alle die menschliche Natur annahm, sondern an den Menschen, die nicht wollten. Er teilt sich jedem einzelnen durch die Geheimnisse mit; die er wiedergeboren, nährt er mit sich selbst und überläßt sie keinem Fremden, um dich auch dadurch zu überzeugen, dass er dein Fleisch angenommen hat.

 

 

Seien wir daher nicht kalt und gleichgültig, nachdem wir einer solchen Liebe und Ehre gewürdigt wurden. Seht ihr nicht, mit welcher Begierde die Kinder nach der Mutterbrust verlangen, mit welchem Ungestüm sie die Lippen daran pressen? Mit einem ebenso großen Verlangen sollen auch wir an diesen Tisch treten und zur Brust des geistlichen Kelches, ja wir sollen mit noch größerer Sehnsucht als die Säuglinge die Gnade des Hl. Geistes trinken, und wir sollen nur einen Kummer kennen, von dieser Speise ausgeschlossen zu sein.

 Die Heilige Wandlung ist das übernatürliches Eingreifen Gottes

Die hl. Handlung vor uns wird nicht durch Menschenmacht vollzogen. Er, der sie einst dort beim Abendmahl vornahm, verrichtet sie auch jetzt. Wir nehmen nur die Stelle von Dienern ein, er selbst aber ist es, der das Opfer heiligt und umgestaltet. Es sei daher kein Judas zugegen, keiner der geldgierig ist. Wenn einer kein Jünger ist, der entferne sich; solche Leute duldet dieser Tisch nicht. "Mit meinen Jüngern", sagt Christus, "halte ich das Ostermahl."Unser Tisch ist derselbe, wie jener, und bietet nicht weniger. Man darf nicht meinen, Christus habe nur jenen Tisch beim Abendmahl bereitet, diesen aber ein Mensch; nein, er bereitet auch diesen.

 

 

Es ist derselbe Speisesaal, wie jener, in dem sie damals waren, von wo sie auf den Ölberg hinausgingen. Auch wir wollen hinausgehen, nämlich zu den Hürden der Armen; sie sind unser Ölberg. Die Schar der Armen sind die Ölbäume, die im Hause Gottes gepflanzt sind; sie träufeln das Öl, das uns im Jenseits von Vorteil ist, das die fünf klugen Jungfrauen besaßen, während die anderen, die keines mithatten, verloren gingen. Das müssen wir also besitzen, wenn wir hintreten wollen, um mit brennenden Lampen dem Bräutigam entgegenzugehen; das müssen wir besitzen, wenn wir von hinnen scheiden. Kein Unmensch, kein Grausamer und Herzloser nahe sich, keiner, der ganz unrein ist.

 

 

 Zum würdigen Empfang der Heiligen Kommunion und der Notwendigkeit der Beichte

Meine Worte gelten euch, die ihr teilnehmet und auch euch, die ihr die Geheimnisse austeilt. Ich sehe mich ja genötigt, auch an euch mich zu wenden, damit ihr diese Gnadengaben mit großer Sorgfalt spendet. Es würde euch keine kleine Strafe treffen, wenn ihr jemanden an dem Mahle teilnehmen ließet, von dem ihr wüßtet, dass er eine Sünde auf dem Herzen hat. Sein Blut wird von euren Händen gefordert werden. Und wäre es ein Feldherr, ein Minister, wäre er selbst mit der Krone geschmückt, weise ihn zurück, wenn er unwürdig naht; deine Gewalt ist größer als die seinige.

 

 

Hätte man dir die Obhut eines Brunnens anvertraut, um das Wasser für die Herde rein zu halten, und du bemerktest ein Schaf, das am Maule mit viel Kot beschmutzt wäre, so würdest du nicht zulassen, dass es trinke und das Wasser trübe. Nun aber ist dir nicht ein Brunnen mit Wasser, sondern der Born des Blutes und Geistes anvertraut, und du wolltest nicht zürnen und wehren, wenn du Leute mit Sünden nahen siehst, die ärger sind als Kot und Schmutz? Wie könntest du Verzeihung erwarten? Dazu hat euch Gott mit diesem Ehrenamt ausgezeichnet, dass ihr hierüber urteilet. Das ist eure Würde, eure Sicherheit, eure ganze Krone, nicht dass ihr ein weißes, glänzendes Gewand traget.

 

Woher kann ich aber wissen, fragst du, wie der und jener ist? Nun, ich rede nicht von Unbekannten, sondern von Offenkundigen. Soll ich etwas Schrecklicheres sagen? Es ist nicht so schlimm, wenn Besessene, als wenn solche da sind, die nach Pauli Ausspruch Christum mit Füßen treten, das Blut des Bundes für etwas Gewöhnliches halten und die Gnade des Hl. Geistes verhöhnen. Wer mit einer Sünde hinzutritt, ist abscheulicher als ein Besessener. Ein solcher verdient deshalb, weil er besessen ist, noch keine Strafe, während der andere, der unwürdig hinzutritt, der ewigen Strafe überantwortet wird. Deshalb sollen wir nicht nur jene hinwegtreiben, sondern alle ohne Unterschied, die wir unwürdig hinzutreten sehen.

 Wer zu dem Empfang der Heiligen Sakramente zugelassen ist

Keiner nehme teil, der nicht ein Jünger Christi ist. Kein Judas empfange das Geheimnis, damit es ihm nicht gehe wie Judas. Auch solche Leute gehören zum Leibe Christi. Du Gehilfe bei den Geheimnissen, sieh dich darum vor, dass du den Herrn nicht erbitterst, wenn du diesen Leib nicht reinigest. Reiche nicht ein Schwert statt Speise.

 

Auch wenn jemand aus Unwissenheit zur Teilnahme hintritt, wehre es ihm ohne Furcht. Gott, nicht einen Menschen sollst du fürchten. Wenn du einen Menschen fürchtest, wirst du auch von ihm verspottet werden; fürchtest du hingegen Gott, so werden dich auch die Menschen achten. Und wenn du dich selbst nicht getrauest, so wende dich an mich, ich werde einen solchen Frevel nicht zugeben. Eher will ich meine Seele verlieren, als das Blut des Herrn wider Gebühr preisgeben, und eher will ich mein Blut vergießen, als ungehörigerweise das hochheilige Blut hingeben.

 

Wenn jemand trotz eifrigen Forschens nicht in Erfahrung bringt, dass einer schlecht ist, so trifft ihn kein Vorwurf. Denn meine Worte beziehen sich nur auf die Bekannten. Wenn wir diese bessern, wird uns der Herr bald auch die Verborgenen bekannt machen; lassen wir jene aber gehen, wozu sollte er uns dann diese zur Kenntnis bringen?

 

 

Indessen, ich möchte durch meine Worte nicht bloß dazu anspornen, dass man Unwürdige abweise oder ausschließe, sondern vielmehr, dass man sie bessere, zurückführe und ihnen seine Sorgfalt zuwende. Auf diese Weise werden auch wir bei Gott Gnade erlangen, viele gewinnen, dass sie würdig teilnehmen und für den Eifer und die Sorge, die wir anderen zuwenden, reichlichen Lohn erwerben. Möge er uns allen zuteil werden durch die Gnade und Liebe unseres Herrn Jesus Christus den die Ehre gebührt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen!

Katechese zur Heiligen Eucharistie

Die Theologie der Kirche zur Heiligen Eucharistie