Der Rosenkranz: Einführung in das kontemplative Gebet

 

Einführung in das Rosenkranzgebet

auf der Grundlage des Apostolisches Schreibens Rosarium Virginis Mariae

von Papst Johannes Paul II

 


 

  • Gebet zum Heiligen Geist: den Heiligen Geist anrufen und Ihn bitten, uns mit Seiner Gnade zu erfüllen den Rosenkranz mit dem Herzen zu beten. "Komm, Heiliger Geist und erfülle mich mit Deiner Gnade, denn ich bedarf Deiner Hilfe damit ich in rechter Weise beten kann. Bitte komm mir zu Hilfe und lehre mich, mit dem Herzen und in Dir, dem Heiligen Geist Gottes, zu beten. Durch Jesus Christus unseren Herrn. Amen. Dank sei Dir!"

  • Besinnung: in die Gegenwart Gottes versetzen / Blick im Geist auf Jesus und Maria richten

  • Wort Gottes hören: Kurze Lesung des Wortes Gottes vor den 5 Gesätzen (Bibeltext mit den Stellen der betrachteten Geheimnisse)

  • Stille: kurze Stille nach der Lesung

  • Ruhe & Frieden: Ruhiger Rhythmus, nicht hastig herunterbeten

  • Nennung des Geheimnisse: In das Ave Maria die Nennung des Geheimnisses einfügen, das gerade gebetet wird (z.B. "Jesus, den Du oh Jungfrau vom Heiligen geist empfangen hast). Den Namen Jesus hervorheben und "auskosten". Ihn mit Liebe sprechen. Jesus eine Freude bereiten wollen. Uns immer vor Augen halten: Er ist eine Person, die uns zuhört. 

  • Gloria hervorheben: Die trinitarische Doxologie, Ehre sei dem Vater, am Ende jedes Gesätzes besonders hervorheben (Gesang / Betonen / aufmerksames, bewusstes Aussprechen)

  • Stoßgebet: Nach jedem Gesätz ein kurzes Stoßgebet beten. Hier bietet sich das Gebet an, das der der Engel die Seherkinder von Fatima gelehrt hat: O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden, wahre uns vor dem Feuer der Hölle, führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen.

  • Salve Regina / Lauretanische Litanei: Den Rosenkranz mit einem Salve Regina oder der Lauretanischen Litanei beenden.

 

Anleitung zum Rosenkranzgebet (Vatikan)

 

Der Wochenrhythmus des Rosenkranzgebets

 

 

Sonntag
Montag
Dienstag
Mittwoch
Donnerstag
Freitag
Samstag

glorreiche Geheimnisse
freudenreiche Geheimnisse
schmerzhafte Geheimnisse
glorreiche Geheimnisse
lichtreiche Geheimnisse
schmerzhafte Geheimnisse
freudenreiche Geheimnisse

 

Die Rosenkranzgeheimisse

 

Die Freudenreichen Geheimnisse – Die Geburt Jesu

  • Jesus, den du, o Jungfrau, vom Heiligen Geist empfangen hast (Lk 1, 35)

  • Jesus, den du, o Jungfrau, zu Elisabet getragen hast (Lk 1, 39-56)

  • Jesus, den du, o Jungfrau, in Betlehem geboren hast (Lk 2, 1-20)

  • Jesus, den du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast (Lk 2, 22-24)

  • Jesus, den du, o Jungfrau, im Tempel wiedergefunden hast (Lk 2, 41-52)

Die Schmerzhaften Geheimnisse – Die Passion Jesu

  • Jesus, der für uns Blut geschwitzt hat (Lk 22, 44)

  • Jesus, der für uns gegeißelt worden ist (Joh 19, 1)

  • Jesus, der für uns mit Dornen gekrönt worden ist (Joh 19, 2)

  • Jesus, der für uns das schwere Kreuz getragen hat (Joh 19, 17)

  • Jesus, der für uns gekreuzigt worden ist (Joh 17, 18)

Die Glorreichen Geheimnisse – Die Auferstehung Jesu

  • Jesus, der von den Toten auferstanden ist (Lk 24, 6)

  • Jesus, der in den Himmel aufgefahren ist (Apg 1, 9-11)

  • Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat (Apg 2, 1-13)

  • Jesus, der dich, o Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat

  • Jesus, der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat

Die Lichtreichen Geheimnisse – Das Leben Jesu

  • Jesus, der von Johannes getauft worden ist (Lk 3, 21-22)

  • Jesus, der sich bei der Hochzeit in Kana offenbart hat (Joh 2, 1-12)

  • Jesus, der uns das Reich Gottes verkündet hat (Mt 9, 35)

  • Jesus, der auf dem Berg verklärt worden ist (Lk 9, 28-36)

  • Jesus, der uns die Eucharistie geschenkt hat (Mk 14, 17-25)

 

Aus dem Apostolischen Schreiben Rosarium Virginis Mariae
von Papst Johannes Paul II

 

Die Nennung des Rosenkranzgeheimnisses

Die Nennung des jeweiligen Rosenkranzgesätzes, die möglicherweise mit der Betrachtung einer bildlichen Darstellung seines Inhaltes einhergehen kann, gleicht dem Öffnen einer Szene, auf die sich die Aufmerksamkeit konzentriert. Die Worte führen die Vorstellungskraft und den Geist zum betreffenden Ereignis oder Moment im Leben Christi. In der Spiritualität, die sich in der Kirche herausgebildet hat, berufen sich sowohl die Verehrung heiliger Bilder als auch die anderen an sinnlichen Elementen reichen Frömmigkeitsformen, wie ebenso die vom heiligen Ignatius von Loyola in seinen geistlichen Exerzitien vorgeschlagene Methode auf die Seh- und Vorstellungskraft (compositio loci), die als große Hilfe zur Förderung der Konzentration der Seele auf das zu betrachtende Geheimnis beurteilt werden. Es handelt sich hier übrigens um eine Methodologie, die der Logik der Menschwerdung selbst entspricht: Gott wollte in Jesus menschliche Züge annehmen. Durch diese seine körperliche Wirklichkeit werden wir dazu angeleitet, mit seinem göttlichen Geheimnis in Kontakt zu treten.

Auch die Nennung der verschiedenen Rosenkranzgeheimnisse versucht diesem konkreten Anliegen zu entsprechen. Sie ersetzen gewiss nicht das Evangelium, noch rufen sie uns alle seine Seiten in Erinnerung. Der Rosenkranz ersetzt daher auch nicht die lectio divina, die sie, ganz im Gegenteil, voraussetzt und anregt. Auch wenn die im Rosenkranz meditierten Geheimnisse mit der Ergänzung der mysteria lucis sich auf die Grundzüge des Lebens Christi beschränken, gelingt es der Seele leicht, über den Rest des Evangeliums zu schweifen, vor allem wenn der Rosenkranz in gewissen Momenten ausgedehnter innerer Sammlung gebetet wird.

Das Hören auf Gottes Wort

Um der Meditation eine biblische Grundlage und größere Tiefe zu geben, ist es sinnvoll, dass der Ansage des Rosenkranzgesätzes die Verkündigung eines passenden Bibelabschnittes folgt. Dieser kann je nach den Umständen mehr oder weniger ausgedehnt sein. Andere Texte erreichen sicherlich nie die dem inspirierten Wort innewohnende Wirksamkeit. Dieses muss mit der Gewissheit vernommen werden, dass es Wort Gottes ist, das in das Heute hinein und »für mich« verkündet wird.

So aufgenommen, geht das Wort Gottes in die Wiederholungsmethodologie des Rosenkranzbetens ein, ohne Langeweile hervorzurufen, die durch den Verweis auf eine bereits gut bekannte Information entstehen könnte. Es handelt sich nicht um ein erneutes in Erinnerung bringen einer Information, sondern vielmehr um das Sprechen lassen Gottes. Zu manchen Anlässen des feierlichen und gemeinschaftlichen Gebetes kann dieses Wort in angebrachter Weise durch einen kurzen Kommentar erläutert werden.

Die Stille

Das Hören und die Meditation nähren sich von der Stille. Es ist angemessen, nach der Ankündigung des Rosenkranzgeheimnisses und nach der Wortverkündigung eine Zeit lang innezuhalten und den Blick auf das zu betrachtende Gesätzchen zu richten, bevor das hörbare Beten ansetzt. Die Wiederentdeckung des Wertes der Stille ist eines der Geheimnisse in der Übung der Kontemplation und der Meditation. Die Tatsache, dass Stille heute immer schwieriger wird, gehört zu den Grenzen einer stark technisierten und durch die Massenmedien geprägten Gesellschaft. Wie in der Feier der Liturgie Momente der Stille angebracht sind, so erscheint es auch beim Beten des Rosenkranzes sinnvoll, nach dem Hören des Wortes Gottes eine kurze Pause zu machen, damit sich die Seele auf den Inhalt eines bestimmten Geheimnisses besinnen kann.

Das »Vaterunser«

 Nach dem Hören des Wortes und der Besinnung auf das Geheimnis erhebt sich naturgemäß die Seele zum Vater. Jesus führt uns in jedem einzelnen seiner Mysterien zum Vater, auf den er beständig hingewendet ist, weil er an seinem ,,Herzen“ ruht (vgl. Joh 1,18). Er will uns in die Vertrautheit mit dem Vater einführen, so dass wir mit ihm »Abba, Vater« sagen können (Röm 8, 15; Gal 4, 6). Es ist in der Verbindung mit dem Vater, dass Er uns zu seinen Brüdern und zu Brüdern untereinander macht, indem er uns den Geist mitteilt, der zugleich der seinige und der des Vaters ist. Das sich beim Ave Maria wiederholende »Vaterunser« bildet gleichsam das Fundament dieser christologisch – marianischen Betrachtung und verleiht der Meditation des Geheimnisses selbst beim Beten in Einsamkeit eine kirchliche Dimension.

Die zehn »Gegrüßet seist du Maria«

Dieser Teil ist der umfangreichste des Rosenkranzes und macht ihn im Gesamt zu einem marianischen Gebet par excellence. Gerade im Licht des recht verstandenen Ave Maria lässt sich jedoch mit Klarheit feststellen, dass der marianische Charakter dem christologischen nicht nur nicht entgegensteht, sondern – im Gegenteil – ihn unterstreicht und hervorhebt. Der erste Teil des Ave Maria, der sich aus den Worten des Erzengels Gabriel und der heiligen Elisabeth an Maria herleitet, ist in der Tat eine anbetende Betrachtung des Geheimnisses, das sich in der Jungfrau von Nazareth erfüllt. Diese Worte drücken sozusagen die Bewunderung des Himmels und der Erde aus und lassen in gewisser Weise die Freude Gottes selbst durchscheinen, wenn er sein Meisterwerk – die Menschwerdung des Sohnes im jungfräulichen Schoß Marias – betrachtet, im Sinne jenes freudigen Blickes der Genesis (vgl. Gen 1, 31), jenes ursprünglichen  »pathos, mit welchem Gott, am Anfang der Schöpfung das Werk seiner Hände betrachtete«.Das wiederholte Ave Maria des Rosenkranzes bringt uns an die Freude Gottes heran: es ist Jubel, Staunen und Dankbarkeit für das größte Wunder der Geschichte. Es ist die Erfüllung der Verheißung, die an Maria ergangen ist: »Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter« (Lk 1, 48). 

 Der Mittelpunkt des Gegrüßet seist du Maria, gleichsam das Scharnier zwischen dem ersten und dem zweiten Teil, ist der Name Jesus. Manchmal geschieht es, vor allem in einer hastigen Betweise, dass dieser Mittelpunkt entweicht und mit ihm auch der Kontakt zum Mysterium, welches man soeben betrachtet. Gerade die Betonung, die man dem Namen Jesu und seinem Geheimnis beimisst, macht jedoch ein bedeutungsvolles und fruchtbares Beten des Rosenkranzes aus. Papst Paul VI. erinnerte bereits im Apostolischen Schreiben Marialis cultus daran, dass es in einigen Gegenden den Brauch gibt, den Namen Jesu hervorzuheben, indem man eine Anrufung des Gesätzes, welches man gerade betrachtet, einfügt. Dies ist ein lobenswerter Brauch, besonders beim gemeinsamen Gebet. Er drückt kraftvoll den christologischen Glauben aus, der sich den verschiedenen Momenten im Leben des Erlösers zuwendet. Dies ist Bekenntnis des Glaubens und gleichzeitig eine Hilfe, um die Betrachtung wach zu halten. So kann die der Wiederholung des Ave Maria innewohnende assimilierende Funktion in Bezug auf das Christusgeheimnis gelebt werden. Einen Weg der Assimilierung, der darauf abzielt, uns immer tiefer in das Leben Christi eintreten zu lassen, bildet die Wiederholung des Namens Jesu – der einzige Name, der uns gegeben ist, durch den wir gerettet werden sollen (vgl. Apg 4, 12) – verflochten mit jenem der Allerseligsten Mutter. Dabei lassen wir gleichsam zu, dass sie uns diesen Namen eingibt.   

Sodann ergibt sich aus der ganz besonderen Christusbeziehung, die Maria, die Mutter Gottes, die Theotòkos, werden ließ, die Kraft der Bitte, mit der wir uns im zweiten Teil des Gebetes an sie wenden, indem wir ihrer mütterlichen Fürsprache unser Leben und die Stunde unseres Todes anvertrauen.

Das »Gloria«

 Die trinitarische Doxologie ist der Zielpunkt der christlichen Kontemplation. Christus ist tatsächlich der Weg, der uns im Geist zum Vater führt. Wenn wir diesen Weg bis zum Ende durchlaufen, finden wir uns immerfort vor dem Geheimnis der drei göttlichen Personen wieder, die wir loben, anbeten und denen wir danken. Es ist wichtig, dass das Gloria, der Höhepunkt der Kontemplation, beim Rosenkranzbeten gut hervorgehoben wird. Beim öffentlichen Beten könnte es auch gesungen werden, um so der tragenden Struktur und Perspektive eines jeden christlichen Gebetsvollzugs geeigneten Nachdruck zu verleihen.

Die trinitarische Verherrlichung in jedem Rosenkranzgesätz erhält, ohne sich auf eine schnelle Beendigung zu beschränken, eine entsprechende kontemplative Tonlage, und zwar in dem Maße, in dem die Betrachtung des Geheimnisses – von Ave zu Ave – durch die Liebe zu Christus und zu Maria aufmerksam, vertieft und wiederbelebt wird. So als ob der Geist sich zur Höhe des Paradieses erhebt und uns in gewisser Weise die Erfahrung von Tabor, die Vorwegnahme der zukünftigen Schauung wieder erleben lässt: »Es ist gut, dass wir hier sind« (Lk 9, 33).

Das abschließende Stoßgebet

Nach der geläufigen Praxis des Rosenkranzgebetes folgt auf die trinitarische Schlussformel ein Stoßgebet, dass je nach Gewohnheit verschieden ist. Ohne etwas vom Wert dieser Anrufungen wegnehmen zu wollen, scheint es angebracht zu betonen, dass die Betrachtung der Geheimnisse ihre ganze Fruchtbarkeit besser entfalten kann, wenn darauf geachtet wird, dass jedes Gesätz mit einem Gebet endet, das darauf ausgerichtet ist, die besonderen geistlichen Früchte aus der Betrachtung des jeweiligen Geheimnisses zu gewinnen. In diesem Sinn wird das Rosenkranzgebet noch wirksamer in Verbindung zum christlichen Leben stehen. So schlägt es ein schönes Gebet aus der Liturgie vor, welches uns einlädt, durch die Betrachtung der Geheimnisse des Rosenkranzes das »nachzuahmen, was sie enthalten und zu erlangen, was sie verheißen«. (38

Das abschließende Gebet kann, wie bereits üblich, legitimerweise vielfältige Formen annehmen. So passt sich das Rosenkranzgebet auch an die unterschiedlichen geistlichen Traditionen in den verschiedenen christlichen Gemeinschaften an. In dieser Perspektive ist es wünschenswert, dass die besten Formulierungsvorschläge mit gebührender pastoraler Klugheit Verbreitung finden. Dazu sind die Erfahrungen in marianischen Zentren und Wallfahrtsorten dienlich, in denen dem Rosenkranz ein besonderer Stellenwert zukommt, so dass sich das Volk Gottes des ganzen echten geistlichen Reichtums erfreuen und daraus Nahrung für die eigene Betrachtung erlangen kann.

Die Perlenschnur des Rosenkranzes

Das gebräuchliche Hilfsmittel für das Rosenkranzgebet ist die Perlenschnur. In einer eher oberflächlichen Sichtweise ist sie lediglich ein Gegenstand zum Zählen der aufeinanderfolgenden Ave Maria. Jedoch hat sie auch eine symbolische Bedeutung. Sie kann dazu beitragen, der Betrachtung eine noch tiefere Innigkeit zu verleihen.

Diesbezüglich ist erstens festzuhalten, dass der Rosenkranz auf das Kreuz hin zusammenläuft, das somit den Weg des Gebetes selbst eröffnet und abschließt. In Christus finden Leben und Gebet der Gläubigen ihren Mittelpunkt. Alles geht von ihm aus, alles strebt zu ihm hin, alles führt durch ihn im Heiligen Geist zum Vater.

Als Hilfsmittel zum Zählen der fortlaufenden Gebetselemente erinnert uns der Rosenkranz an den beharrlichen Weg der christlichen Kontemplation und Vervollkommnung. Der selige Bartolo Longo sah in ihm auch eine ,,Kette“, die uns an Gott bindet. Eine Kette, aber eine süße Kette, die uns immer die Beziehung zu einem Gott offen legt, der unser Vater ist. Er ist die Kette der Kindschaft, die uns in Einklang mit Maria, der »Magd des Herrn« (Lk 1, 38) bringt und schließlich mit Christus selbst verbindet, der, obwohl er Gott gleich war, aus Liebe zu uns zum »Sklaven« wurde (vgl. Phil 2, 7). 

Es ist schön, diese symbolische Bedeutung der Perlenschnur des Rosenkranzes auf unsere zwischenmenschlichen Beziehungen auszuweiten und darin das Band der Gemeinschaft und der Brüderlichkeit zu erkennen, das alle in Christus vereint.

Der Beginn und das Ende

Entsprechend den kirchlichen Gebräuchen sind in der gegenwärtigen Praxis die Einführungsgebete des Rosenkranzes verschiedenartig. In einigen Gebieten pflegt man ihn mit der Anrufung des Psalmes 70 zu beginnen: »O Gott, komm mir zu Hilfe; Herr, eile mir zu helfen«, um im Beter das demütige Bewusstsein seiner Bedürftigkeit zu nähren. Anderswo hingegen beginnt das Rosenkranzgebet mit dem Credo, um das Glaubensbekenntnis dem Betrachtungsweg sozusagen als Grundlage voranzustellen. Diese und ähnliche Gebetsweisen sind gleichermaßen berechtigt, insofern sie den Geist gut auf die Betrachtung einzustimmen vermögen. Der Rosenkranz schließt mit dem Gebet in der Meinung des Heiligen Vaters ab. Er weitet so den Blick des Betenden auf den umfassenden Rahmen kirchlicher Anliegen und Nöte. Um dem Rosenkranz gerade diese gesamtkirchliche Blickrichtung zu geben, wollte die Kirche ihn mit Ablässen für diejenigen versehen, die ihn in der richtigen Absicht beten.

So gesehen wird das Rosenkranzgebet tatsächlich zu einem wahren geistlichen Weg, auf dem Maria sich zur Mutter, Lehrerin und Führerin macht, um die Gläubigen mit ihrer mächtigen Fürbitte zu unterstützen. Es ist also nicht verwunderlich, dass der Geist am Ende dieses Gebetes, in dem er die Mütterlichkeit Mariens so inniglich erfahren durfte, sich gedrängt fühlt, im Lob an die heilige Jungfrau aufzugehen. Sei es im herrlichen Gebet des Salve Regina, oder in jenem der Lauretanischen Litanei. Der Rosenkranz krönt einen inneren Weg, der die Gläubigen in lebendigen Kontakt mit dem Geheimnis Christi und seiner heiligsten Mutter gebracht hat.

Die Aufteilung in der Zeit

Der Rosenkranz kann jeden Tag ganz gebetet werden. Nicht wenige tun dies lobenswerterweise. Er dient dazu, den Tageslauf vieler kontemplativer Menschen im Gebet zu erfüllen; ebenso ist er ein Begleiter der kranken und alten Menschen, die ausreichend über Zeit verfügen. Andererseits ist es klar, dass viele Menschen nur einen Teil des Rosenkranzes entsprechend einer bestimmten wöchentlichen Ordnung beten können. Dies gilt umso mehr angesichts der Hinzufügung der neuen lichtreichen Geheimnisse. Diese wöchentliche Einteilung verleiht letztendlich den verschiedenen Tagen der Woche eine gewisse geistliche ,,Färbung“, analog zu den verschiedenen Zeiten des liturgischen Jahres.

 Nach der üblichen Praxis sind Montag und Donnerstag den freudenreichen Geheimnissen, Dienstag und Freitag den schmerzhaften Rosenkranzgesätzen, sowie Mittwoch, Samstag und Sonntag den glorreichen Geheimnissen gewidmet. Wo sollen nun die »lichtreichen Rosenkranzgeheimnisse« eingefügt werden? Unter der Rücksicht, dass die glorreichen Geheimnisse sich in der Abfolge von Samstag und Sonntag direkt wiederholen und der Samstag traditionell als ein Tag besonderer Marienverehrung begangen wird, scheint es zweckmäßig, die zweite wöchentliche Betrachtung der freudenreichen Gesätze auf den Samstag zu verschieben, in denen die Gegenwart Marias am stärksten betont ist. So bleibt der Donnerstag für die Betrachtung der lichtreichen Geheimnisse frei.

Diese Anleitung beabsichtigt allerdings keine Einschränkung der gebührenden Freiheit in der persönlichen und gemeinschaftlichen Betrachtung, die sich an den spirituellen und pastoralen Bedürfnissen sowie vor allem an den liturgischen Feiern ausrichtet, die entsprechende Anpassungen nahe legen können. Wirklich wichtig ist, dass der Rosenkranz immer besser als betrachtende Wegstrecke erfasst und erfahren wird. In liturgieergänzender Weise prägt die Rosenkranzbetrachtung die Woche des Christen, deren Angelpunkt der Sonntag, der Tag der Auferstehung, ist. Sie wird zu einem Weg, auf dem wir die Geheimnisse des Lebens Christi durchschreiten, der sich im Leben seiner Jünger als Herr von Zeit und Geschichte erweist.

  

Weiterführende Links:

Anleitung zum Rosenkranzgebet (Vatikan)

Apostolisches Schreiben Rosarium Virginis Mariae von Papst Johannes Paul II