Das Geheimnis der Gottesmutterschaft Mariens

Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt, / darum habe ich dir so lange die Treue bewahrt.

(Jer. 31, 1 )

 

 

 

Theotokos: Die Gottesmutter

 

Die selige Jungfrau und Gottesmutter Maria, deren Hochfest wir am 1. Januar gefeiert haben, ist wahrhaftig die Theotokos,die Gottesmutter, wie der Apostel Paulus im Brief an die Galater bezeugt: „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt“ (gal 4,4). Wir finden, so schreibt schreibt Papst Benedikt XVI., „hier das Geheimnis der Menschwerdung des ewigen Wortes und die Gottesmutterschaft Marias in wenigen Worten zusammengefaßt: Das große Privileg der Jungfrau besteht gerade darin, Mutter des Sohnes zu sein, der Gott ist. Dieses Marienfest nimmt deshalb acht Tage nach dem Geburtsfest den richtigsten und sinnvollsten Platz ein. Denn in der Nacht von Betlehem, als sie »ihren Sohn, den Erstgeborenen«, gebar (Lk 2,7), erfüllten sich die Prophezeiungen über den Messias: »Die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären«, hatte Jesaja vorhergesagt (7,14); »Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären«, sagte der Engel Gabriel zu Maria (Lk 1,31). Und noch ein Engel des Herrn – erzählt der Evangelist Matthäus – erschien Josef im Traum und versicherte ihm: »Fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären« (Mt 1,20–21).


Der, den sie durch den Heiligen Geist als Menschen empfangen hat und der dem Fleische nach wirklich ihr Sohn geworden ist, ist kein anderer als der ewige Sohn des Vaters, die zweite Person der heiligsten Dreifaltigkeit. Die Kirche bekennt, daß Maria wirklich Mutter Gottes ist (KKK 495). Sie hat den Sohn Gottes des Vaters, die zweite göttliche Person des dreieinen Gottes empfangen und geboren, freilich nicht der göttlichen Natur nach, sondern der angenommenen menschlichen Natur nach. Deshalb darf sie Gottesgebärerin genannt werden. Maria hat Jesus geboren, der Gott und Mensch in einer Person ist. Wenn Maria Christus der Menschheit nach geboren hat, so hat sie aufgrund der Einheit der Person auch Christus, den Herrn, geboren. Das Dogma besagt, dass Maria „die zweite Person der Gottheit“ empfangen und geboren hat, freilich nicht im dem Sinne, als wenn sie eine Gottesschöpferin gewesen wäre, sondern Gottesformerin. Sie hat nicht Gott aus dem Nichts hervorgebracht, sondern dem empfangenen Gottmenschen ein Antlitz gegeben.

 

Die Verkündigung an Maria eröffnet die „Fülle der Zeit“ (Gal 4,4): Die Verheißungen gehen in Erfüllung, die Vorbereitungen sind vollendet. Maria ist berufen, den zu empfangen, in dem „die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“ wohnen wird (Kol 2,9). Die göttliche Antwort auf ihre Frage: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“ (Lk 1,34) verweist auf die Macht des Geistes: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.“ (Lk 1,35). (KKK 484). 

Gott hat seinen Sohn gesandt“ (Gal 4,4). Um aber diesem „einen Leib zu bereiten“ (Hebr 10,5), sollte nach seinem Willen ein Geschöpf in Freiheit mitwirken. Zu der Aufgabe, Mutter seines Sohnes zu sein, hat Gott von aller Ewigkeit her eine Tochter Israels, eine junge Jüdin aus Nazaret in Galiläa, auserwählt, eine Jungfrau, die „mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria“ (Lk 1,26–27). (KKK 488). Während des ganzen Alten Bundes wurde die Berufung Marias durch die Sendung heiliger Frauen vorbereitet.  Maria „ragt unter den Demütigen und Armen des Herrn hervor, die das Heil mit Vertrauen von ihm erhoffen und empfangen. Mit ihr als der erhabenen Tochter Sion ist schließlich nach langer Erwartung der Verheißung die Zeit erfüllt und hat die neue Heilsökonomie begonnen“. (LG 55)

Die Unbefleckte Empfängnis Mariens

Da Maria zur Mutter des Erlösers ausersehen war, „ist sie von Gott mit den einer solchen Aufgabe entsprechenden Gaben beschenkt worden“. Im Laufe der Jahrhunderte wurde sich die Kirche bewußt, daß Maria, von Gott „mit Gnade erfüllt“ (Lk 1,28), schon bei ihrer Empfängnis erlöst worden ist. Das bekennt das Dogma von der unbefleckten Empfängnis, das 1854 von Papst Pius IX. verkündigt wurde:

„... daß die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch die einzigartige Gnade und Bevorzugung des allmächtigen Gottes im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu, des Erlösers des Menschengeschlechtes, von jeglichem Makel der Urschuld unversehrt bewahrt wurde“ (DS 2803).

Die ostkirchlichen Väter nennen die Gottesmutter „die Ganzheilige“ (Panhagia) sie preisen sie als „von jeder Sündenmakel frei, gewissermaßen vom Heiligen Geist gebildet und zu einer neuen Kreatur gemacht“ (LG 56). Durch die Gnade Gottes ist Maria während ihres ganzen Lebens frei von jeder persönlichen Sünde geblieben. (KKK 490 ff.) Sie ist als einziges Geschöpf damit vollkommen heilig, das Meisterwerk der Schöpfung Gottes und damit eine neue Eva, Mutter der durch Christus erlösten Menschheit, der neuen Schöpfung, die dank der durch das Kreuzesopfer Christi bewirkten Erlösung von allen Sünden würdig ist, in die himmlische Herrlichkeit Gottes einzugehen.

Die Jungfräulichkeit Marias

Schon in den ersten Formulierungen des Glaubens hat die Kirche bekannt, daß Jesus einzig durch die Kraft des Heiligen Geistes im Schoß der Jungfrau Maria empfangen wurde. Die Väter sehen in der jungfräulichen Empfängnis das Zeichen dafür, daß wirklich der Sohn Gottes in eine uns gleiche menschliche Natur kam. Die Berichte in den Evangelien bezeugen die jungfräuliche Empfängnis als ein Werk Gottes ohne Mitwirkung eines Mannes, das über jedes menschliche Verständnis und Vermögen hinausgeht (Mt 1,18–25; Lk 1,26–38).

 

Der Engel sagt zu Josef von Maria, seiner Braut: „Das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist“ (Mt 1,20). Die Kirche erblickt darin die Erfüllung der Verheißung, die Gott durch den Propheten Jesaja gegeben hat: „Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären“ (Jes 7,14). Ein vertieftes Verständnis ihres Glaubens an die jungfräuliche Mutterschaft Marias führte die Kirche zum Bekenntnis, daß Maria stets wirklich Jungfrau geblieben ist, auch bei der Geburt des menschgewordenen Gottessohnes. Durch seine Geburt hat ihr Sohn „ihre jungfräuliche Unversehrtheit nicht gemindert, sondern geheiligt“ (LG 57). Die Liturgie der Kirche preist Maria als die „allzeit Jungfräuliche“ (Aeiparthenos) (KKK 499, LG 52).

Maria als Mutter aller Menschen

Jesus ist der einzige Sohn Marias. Die geistige Mutterschaft Marias aber erstreckt sich auf alle Menschen, die zu retten Jesus gekommen ist: „Sie gebar einen Sohn, den Gott zum ,Erstgeborenen unter vielen Brüdern‘ (Röm 8,29) gesetzt hat, den Gläubigen nämlich, bei deren Geburt und Erziehung sie in mütterlicher Liebe mitwirkt. Am Kreuz gab Jesus mit den Worten „Frau, siehe dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe deine Mutter“ (Joh 19,26–27) die Muttergottes uns allen zur Mutter.

 

 

Jesus ist im Schoß der Jungfrau Maria deshalb durch den Heiligen Geist empfangen, weil er der neue Adam ist, der die neue Schöpfung eröffnet: „Der Erste Mensch stammt von der Erde und ist Erde; der Zweite Mensch stammt vom Himmel“ (1 Kor 15,47). Die menschliche Natur Christi ist von seiner Empfängnis an vom Heiligen Geist erfüllt, denn Gott „gibt den Geist unbegrenzt“ (Joh 3,34). „Aus seiner Fülle“ – des Hauptes der erlösten Menschheit– „haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade“ (Joh 1,16). Maria ist Jungfrau, weil ihre Jungfräulichkeit Zeichen ihres Glaubens ist, „der durch keinen Zweifel verfälscht war“, und wegen ihrer ungeteilten Hingabe an den Willen Gottes. Dank ihres Glaubens kann sie die Mutter des Erlösers werden: „Seliger ist Maria im Empfangen des Glaubens an Christus als in der Empfängnis des Fleisches Christi“. (KKK 504 ff.)

Und Dank unseres Glaubens erkennen wir Christus in der heiligsten Eucharistie. Er lädt jeden von uns ein, einfach zu Ihm zu kommen. Lassen Sie die Sorgen, den Lärm und die Probleme des Alltags einfach hinter sich und setzen Sie sich einfach vor Ihm hin. Sie werden ganz bestimmt beschenkt und verwandelt werden. Und in der Stille werden Sie Ihm begegnen. Und in Ihm die Freude und den tiefen Frieden entdecken, den nur Gott selbst zu schenken vermag.